Für eine wirkliche Nachlese mag es noch zu früh sein, vielleicht trifft es mittägliche Eingebung eher 😉

Während des Seminars am Wochenende sind mir einige Dinge und Formulierungen aufgefallen, die allgemeingültig schwierig sind, da man selbst wertet und oft dabei den anderen aus dem Blick verliert.

Ich hatte schon bei dem Videodreh in Potsdam mit dem federführenden Kameramann dazu ein kleines Gespräch geführt, diesmal fiel es mir aber wieder ganz krass auf. Auf dem Seminar waren vor allem Eltern und Menschen mit Spina Bifida und / oder Hydrocephalus. Es wurde immer mal wieder von „den betroffenen“ gesprochen oder auch den „besonderen“ Kindern. Beide Formulierungen finde ich problematisch und können beim Zuhörer oder der Person über die geredet wird, sehr unterschiedlich ankommen.

Nimmt man (hier am Beispiel der angeborenen Querschnittlähmung) zum Beispiel „Betroffene“ ist damit gleich das Bedeutungsfeld Betroffensein angesprochen, Betroffensein ist  im Duden als „durch etwas (Negatives, Trauriges) verwirrt, innerlich bewegt, berührt“ beschrieben, also eine vor allem von außen nach innen sehende Perspektive. Dadurch stellen sich gehandicappte oder deren Angehörige den gehandicappten sprachlich unbewusst auf eine negative Position.
Im gewissen Sinne ist dadurch einer Blockade Tür und Tor geöffnet, sei es im Selbstverständnis, der Selbstwahrnehmung oder auch im gesellschaftlichen Sinne.

Nähme man stattdessen „betreffende(n)“ betrifft es denjenigen und seine nächsten. „Betreffen“ ist vor allem laut Duden „für jemanden, etwas gelten, sich auf jemanden beziehen, angehen, von Bedeutung sein“. Eine Behinderung geht den, der sie hat, erstmal selbst an, sie ist von mehr oder weniger großer Bedeutung für ihn. Dabei ist mir aber wichtig, dass im Wortsinne keine Wertung vorgenommen wird. Wie man es für sich auslegt, ist jedem überlassen, es kann positiv, neutral oder negativ sein.

Man könnte das ganze auch noch am Wortpaar „krank-gesund“, „behindert-nichtbehindert“ festmachen, vor allem an der Verwendung als Synonympaar. Das ginge hier aber zu weit.

Nur kurz noch zu dem „besonderen“ Kind … Ja, es hat ein Handicap mit entsprechenden Auswirkungen, aber tut man demjenigen einen Gefallen, ihn als „besonders“ zu bezeichnen? Früher hießen Schulen Sonderschulen, daran stießen sich viele Behindertenverbände, Eltern etc. Dann wurden sie nun Förderschulen genannt, aber wer geht hin ? „Besondere“ Kinder. Was bedeutet dann noch besonders ? Auch da ist die Auslegung, die zuerst kommt bei den meisten eher negativ.

VirginiaSatir4

Es ging zu einem recht großen Anteil im Seminar um Kommunikation auf Basis der Modelle von Virginia Satir, einer 1988 verstorbenen Familientherapeutin. Dabei haben mich ein paar Dinge besonders angesprochen, teilweise mit vielleicht langfristigen Folgen. Da ich nun den Blog nicht zu einem kommunikationswissenschaftlichen Exkurs ausufern lassen will, nur verkürzt, was mich ansprach.

1. Es gibt 3 Dinge, die bei Kommunikation wichtig oder entscheidend sind: ich, der andere und Kontext. Fehlt jeweils das Gefühl für eines, erschwert es die Kommunikation. Daraus entwickelte 4 Typen Mensch und ich fühlte mich in einigen an vergangenes erinnert, derzeitige Fehler und was ich „falsch“ mache.
2. Der Abschlusstext (siehe gestrigen Blogbeitrag) hat mich innerlich ziemlich getroffen. Zum einen, weil er bei mir teilweise passte (und ich für jemand anderen auch passend empfand), nach vorne unheimliche Reaktionen hervorrief und zuletzt seitlich mich sehr beunruhigte und hilflos machte, auch wenn ich wusste, dass es so in Ordnung war, es hätte auch noch anders werden können, aber dann wäre ich noch hilfloser geworden … Das sich danach alles recht schnell verlief, war für mich eine Wohltat.
3. „Gib dir und anderen die Zeit, die er/sie/du brauch(s)t.“: Geduld ist immer schwierig und ab und zu verliert wohl jeder sie. Da mich der Satz an eine aktuelle, mich beschäftigende, Problematik erinnerte, ging er nicht spurlos an mir vorbei. Auch wenn ich in manchem (noch immer geltend) die notwendige Zeit versprach, in anderem ist es dann ab und an doch etwas schwierig, vor allem wenn man sich seiner Sache zu offenkundig immer unsicherer wird.

Zu mehr oder weniger guter Letzt, ich fand es schade, dass nur in ganz wenigen Fällen Familien (ja, ich war auch allein) anwesend waren. Mit anderen teilweise über nicht vor Ort seiende andere, wenn auch indirekt, zu reden, ist schon eine etwas problematische Sache …

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2 Gedanken zu “Nachlese – Wie man sich selbst blockiert und damit andere trifft, ohne es zu wollen.

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